Managementsystem – Koordinator – Allroundtalent mit Multikompetenz
Der reine Spezialist ist out: Komplexe Anforderungen an Organisationen verlangen Mitarbeiter mit Multikompetenzen
Die ständig wachsende Zahl von Vorschriften, Gesetzen und Normen verlangt vom Unternehmer ein Management aller Anforderungen. Außer der Erfüllung der Kundenwünsche und der normativen Forderungen an die Produktqualität sind die Prozesse und Projekte zu managen. Hinzu kommt die Einhaltung der vielfältigen Gesetze aus dem Umweltbereich, der Arbeitssicherheit, dem Gesundheitsschutz und je nach Branche zahlreiche weitere Belange wie z. B. die Betriebssicherheitsverordnung oder Hygienevorschriften.
Kleine brauchen den Allrounder
Wo große Organisationen einen Stab von Mitarbeitern im Qualitätswesen, als Umweltschutzbeauftragte, als Arbeitssicherheitsfachleute beschäftigen, müssen sich kleine Betriebe oftmals ein Allroundtalent suchen. Der Mitarbeiter, der nicht nur über eine Managementkompetenz verfügt, wird gesucht. Nur über z. B. Methoden und Instrumente des Qualitätsmanagements Bescheid zu wissen reicht nicht mehr. Ein Mitarbeiter, der in der Lage ist, alle zu regelnden Bestandteile des Managementsystems zu koordinieren, wird gebraucht. Die Zukunft gehört dem Mitarbeiter mit der Multikompetenz zum Managementsystem Koordinator
Ganzheitliche Sichtweise tut not
Heute sollten alle Aspekte im hauseigenen Organisationssystem zusammengetragen sein, seien es solche hinsichtlich der Qualität, der Arbeitssicherheit, des Gesundheitsschutzes oder der Umweltrelevanz. Doch wozu mehrere Dokumentationen erstellen, wenn sich die einzuhaltenden Vorgänge sinnvoller in einer einzigen Beschreibung zusammenfassen lassen? Der Mitarbeiter in der Produktion benötigt die genauen Daten und Fertigungshinweise für das herzustellende Produkt genauso wie die Kenntnisse über die einzuhaltenden Sicherheitsaspekte an dieser Maschine und den Umgang mit den bei der Produktion benötigten umweltrelevanten Verbrauchsmaterialien.
Nicht drei oder mehr nebeneinander existierende Systeme, sondern eine ganzheitliche Sichtweise des kompletten Unternehmens mit allen Risiken führt zu optimalen fehlervermeidenden Abläufen, die Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen überzeugen.
Damit ist ein solches umfassendes Managementsystem mehr als nur die Addition der einzelnen Teile. Nur ein gemeinsames Abheften der aus den unterschiedlichen Bereichen stammenden Vorschriften stellt noch keine Integration dar. Diese wird erst durch ein gemeinsames Besprechen einzelner Vorgänge durch die Beteiligten (Q-Beauftragter, Arbeitssicherheitsexperte, Umweltschutzbeauftragter) erreicht, indem möglichst nur eine – aber dann alle Aspekte enthaltende – Vorgangs- und Ablaufbeschreibung entsteht.
Integriertes System
Die zu beantwortenden Fragen sind stets dieselben: “Was ist wo zu regeln?”, “Wovon gehen für wen oder was, welche Gefahren aus?”. Letzteres ist bereits das Management von Risiken, die außer Qualität (Q), Arbeitssicherheit (S) und Gesundheitsschutz (G) und Umwelt (U) natürlich auch die Finanzen oder das Image des Hauses betreffen können.
Ein Organisationssystem, das die Qualitätsforderungen an das Produkt (an die Ware oder die Dienstleistung), sowie die in jedem Unternehmen oder jeder Abteilung relevanten Arbeitssicherheits-, Gesundheitsschutz- und Umweltaspekte berücksichtigt, ist ein ganzheitliches, alles umfassendes, integriertes Managementsystem (IMS) und dieses liegt im Kompetenzbereich eines Managementsystem Koordinators.
Die jeweils zugrunde liegenden internationalen Normen (DIN EN ISO 9001 für Qualität, DIN EN ISO 14001, OHSAS 18001 für die Arbeitssicherheit) oder auch die Ethiknorm SA 8000 sind strukturell so ähnlich aufgebaut, daß sich darin jeder Experte auf Anhieb zurechtfindet, unabhängig davon, ob er sich eher im Qualitätsmanagement (QM), Umweltmanagement (UM) oder in der Arbeitssicherheit (AS) auskennt. Nachfolgende Tabelle zeigt die Ähnlichkeit der Überschriften einiger Forderungen.
| QM: DIN EN ISO 9001 | UM: DIN EN ISO 14001 | OHSAS 18001 bzw. BS 18001 | |||
|---|---|---|---|---|---|
| von 2000 | von 2005 | von 2007 | |||
| 4 | Forderungen an das Qualitätsmanagement- System | 4 | Anforderungen an ein Umweltmanagement- System | 4 | OH&S management system elements |
| 5.3 | Qualitätspolitik | 4.2 | Umweltpolitik | 4.2 | OH&S policy |
| 5.4 | Planung | 4.3 | Planung | 4.3 | Planning |
| 5.5.1 | Verantwortung und Befugnis | 4.4.1 | Ressourcen, Aufgaben, Verantwortlichkeit und Befugnis | 4.4.1 | Structure and resposibility |
| 6.2.2 | Fähigkeit, Bewußtsein und Schulung | 4.4.2 | Fähigkeit, Schulung und Bewußtsein | 4.4.2 | Training, awareness and competence |
| 4.2.3 | Lenkung von Dokumenten | 4.4.4 | Lenkung von Dokumenten | 4.4.5 | Document and data control |
| 7.1-7.6 | Produktrealisierung | 4.4.6 | Ablauflenkung | 4.4.6 | Operational control |
| 8.5.2 | Korrekturmaßnahmen | 4.5.3 | Nichtkonformität, Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen | 4.5 | Checking and corrective action |
| 4.2.4 | Lenkung von Aufzeichnungen | 4.5.4 | Lenkung von Aufzeichnungen | 4.5.3 | Records and records management |
| 8.2.2 | Internes Audit | 4.5.5 | Internes Audit | 4.5.4 | Audit |
| 5.6 | Managementbewertung | 4.6 | Managementbewertung | 4.6 | Management review |
Variable Zertifizierung
Eine Zertifizierung, also die Begutachtung des aufgebauten integrierten Managementsystems durch unabhängige Dritte (durch akkreditierte Zertifizierungsorganisationen) ist möglich. Eine mehrfache Überprüfung ist nicht in allen Fällen mehr notwendig. Das Zertifikat kann z. B. eine Übereinstimmung mit den Forderungen der DIN EN ISO 9001 und der 14001 sowie eine Erfüllung des SCC-Katalogs (für SGU) bescheinigen. Die akkreditierten Zertifizierungsorganisationen sind für diese Fälle gerüstet: Insbesondere Auditoren mit der Kompetenz für mehrere Normen werden mit Aufträgen bedacht.
Wege zum Kompetenzaufbau
Für den Aufbau eines ganzheitlichen, integrierten Managementsystems wird der Experte für die Beschreibung aller Bestandteile des Systems benötigt. Die älteste und ausgefeilteste Darstellung der Managementaspekte finden sich in den QM-Normen und dementsprechend in den Ausbildungsgängen zum Qualitätsmanager wieder, da die Managementaspekte im Umwelt- und Arbeitssicherheitsbereich erst deutlich später entwickelt wurden. Eine umfassende Managementausbildung ist somit das Fundament einer Ausbildung zum Managementsystem-Koordinator. Zusätzlich zur Kompetenz des Qualitätsmanagers muß sich der Interessierte mindestens um Kenntnisse in Arbeitssicherheit und in Umweltbelangen kümmern. Je nach Branche sind dann Kenntnisse weiterer (spezieller) Aspekte und Methoden von Nutzen.
Ideal ist eine universitäre Ausbildung in den Bereichen QM, UM und AS. Aber auch im Weiterbildungsbereich besteht die Möglichkeit sich die benötigten Kenntnisse und Kompetenzen anzueignen. Zum einen kann der Interessierte sich seine persönliche Koordinationskompetenz puzzleartig erwerben: QM und UM bei dem einen Anbieter und die Themen der Arbeitssicherheit bei der Berufsgenossenschaft. Zum anderen gibt es inzwischen aber auch kombinierte Angebote bzw. die Ausbildung zum Qualitätsmanager, Umweltbeauftragten und OHSAS-Manager.
Eine zusammenfassende Personalzertifizierung aller (möglicher) Aspekte eines Management-System Koordinators gibt es bisher (leider) noch nicht. Die Corporate Quality Akademie für Unternehmensführung hat sich für 2008 auf die Fahne geschrieben diese Lücke zu füllen.